Geschichte
Struktur- und bildungspolitische Innovation
Das Rosa-Mayreder-College wurde 1999 als Zweigverein der Volkshochschule Ottakring gegründet und ist heute eine spezialisierte Bildungseinrichtung der Wiener Volkshochschulen GmbH.
Wesentliche historische Referenzpunkte waren Ludo Hartmanns Gründungsinitiative der „Volkstümlichen Universitätsvorträge“ und die im Jahr 1900 ins Leben gerufene Frauenakademie Athenäum (bis 1918). Bei der Gründungsversammlung von Athäneum, dem „Verein für die Abhaltung von Hochschulkursen für Frauen und Mädchen“ und dessen Ziel es war „Bildung zu verbreiten, die Frauen aus der geistigen Enge herausführt“ – womit ausschließlich mathematische und naturwissenschaftliche Lehrkurse gemeint waren - hatte auch Rosa Mayreder federführend teilgenommen. Daher wurde das College auch nach ihr benannt.
Die Transformation dieser historischen Referenzpunkte für eine zukunftsweise moderne Form im 21. Jahrhundert bedeutete:
- die patriarchal/paternalistischen traditionsreichen Definitionskriterien und Mythenbildungen von Wissenschaft, Bildung und ihre Organisation sowohl des österreichischen universitären Betriebs als auch der Wiener Volksbildung auf neue, moderen Standards zu heben, indem die Geschichte und Aktualität moderner feministischer Forschung und kritischer Gender Studies als Querschnittsmaterien durch alle Wissenschaftsdisziplinen zum Ausgangspunkt feministischer Bildungsarbeit genommen wird und
- der Blick für die struktur- und bildungspolitische Innovation in den angelsächsischen Raum gerichtet wurde, der historisch eine bildungsdurchlässiger Tradition seiner „university-extension-movements“ aufweist und im 21. Jahrhundert eher die Grundlage für das Vermittlungsverhältnis Wissenschaft und Gesellschaft und seine bildungsorganisatorischen Aspekte bildet.
Strukturell ist das Rosa-Mayreder-College das Ergebnis einer intensiven Kooperation mit der VHS-Ottakring, dem (ehemaligen) Verband Wiener Volksbildung, dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und dem österreichischen Bundesinstitut für Erwachsenenbildung.
Ziel war und ist die Umsetzung innovativer und zukunftsorientierter Bildungsangebote. Das Feministische Grundstudium und der Masterlehrgang Internationale Genderforschung und feministische Politik bilden dabei als durch das Wissenschaftsministerium akkreditierte Lehrgänge universitären Charakters den Ausgangspunkt.
Das Rosa-Mayreder-College zählt somit zu einer der ersten außeruniversitären Bildungseinrichtungen für Frauen in Österreich mit anerkannten akademischen Abschlüssen und stellt eine strukturelle Schnittstelle zwischen Universität und Erwachsenenbildung dar, indem es abschlussorientierte wissenschaftliche und persönlichkeitsbildende Weiterbildung anbietet und die Möglichkeiten zweiter Bildungswege miteinschließt.
Das Feministische Grundstudium
- Seit 1998 in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Erwachsenenbildung
Das Feministische Grundstudium wurde von Ursula Kubes-Hofmann, der Direktorin des Rosa-Mayreder-College, 1996/1997 im Rahmen des EU-Förderprogramms Sokrates konzipiert und umgesetzt und ist bis heute mit universitären und außeruniversitären Frauenbildungsprojekten aus verschiedenen Ländern vernetzt. Der Lehrgang bietet eine in Österreich einzigartige berufsbegleitende Ausbildung für Frauen mit akademischen und nichtakademischen Bildungsabschlüssen an.
Ziele des Feministischen Grundstudiums sind u.a. der Erwerb sozialer und politischer Kompetenz, die Optimierung argumentativer Durchsetzungsfähigkeit am Arbeitsplatz, die Nutzung nationaler und internationaler Netzwerke, die Erweiterung von Wissen über Europa-Recht und Medienarbeit. Die Verbindung von kritischer politischer Bildung mit professioneller Fachkompetenz stehen im Zentrum der postgradualen Weiterbildung.
Lesen Sie mehr zur Geschichte:
"Warum ein Feministisches Grundstudium" (pdf)
Internationale Genderforschung und feministische Politik (Masterlehrgang) mit Schwerpunkt Mittel/Osteuropa
- Seit 2005 in Kooperation mit dem Volksbildungshaus Wiener Urania.
Der Masterlehrgang Internationale Genderforschung und Feministische Politik führt zur akademischen Graduierung eines Master of Art in Women's Studies and Feminist Research.
Der berufsbegleitende Lehrgang ist als Aufbaustudium zum Feministischen Grundstudium konzipiert.
Ziele des Masterlehrganges sind die Qualifizierung und Ausbildung von Expertinnen und Multiplikatorinnen, die Genderkompetenz und Interkulturalität als Querschnittsmaterie in Organisationen und Institutionen anwenden möchten, die Folgen und Perspektiven von Transformationsprozessen auf die Geschlechterverhältnisse reflektieren und Alternativen entwickeln wollen. Das interdisziplinäre Studienprogramm ist schwerpunktmäßig auf Mittel-/Osteuropa ausgerichtet und bereitet auch auf internationale Arbeitsbereiche vor.

